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Freitag, 25. Juni 2010

Erste Parkinson Nurse des Nordwestens im Klinikum

Birgit Klaassen hat Spezialausbildung abgeschlossen

Wenn sie über ihre Patienten spricht und wie man ihnen helfen kann, dann leuchten ihre Augen: Birgit Klaassen betreut seit Jahren Menschen mit Morbus Parkinson in der Neurologischen Klinik des Klinikums Emden und man spürt, wie wichtig es ihr ist, über diese Krankheit zu informieren und die Situation für die Betroffenen zu verbessern. Die engagierte Krankenschwester hat kürzlich ihre Ausbildung zur Parkinson Nurse abgeschlossen und ist damit die erste spezialisierte Pflegekraft für Parkinson-Patienten im Nordwesten Deutschlands.
Parkinson Nurses  (Nurse ist der englische Begriff für Krankenschwester) gibt es bereits seit knapp 20 Jahren in mehreren Ländern, unter anderem in England, den USA und den skandinavischen Ländern. Die Deutsche Parkinson-Gesellschaft (DPG), die deutsche Parkinson-Vereinigung (dPV) und das Kompetenznetz Parkinson (KNP) haben erst vor drei Jahren mit der Ausbildung von Parkinson-Nurses in Deutschland begonnen.
Birgit Klaasen hat den zehnmonatigen Ausbildungskurs erfolgreich absolviert. Sie hat gemeinsam mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Deutschland an theoretischen Seminaren in Kassel, Kiel, Marburg und Bremerhaven teilgenommen. Die Fortbildung umfasste zudem eine zweiwöchige Hospitation im Parkinson-Krankenhaus in Kassel. Birgit Klaasen ist damit befähigt, Patienten mit Morbus Parkinson und ihre Angehörigen spezialisiert zu betreuen. Sie hat die spezifische Expertise in verschiedenen Einsatzbereichen, z.B. Bedienung von Pumpensystemen und Steuergeräten zur tiefen Hirnstimulation, Pflegeberatung und psychosoziale Beratung.
„Parkinson ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, die insbesondere durch prominente Betroffene wie Michael J. Fox, Boxlegende Mohammed Ali, Adolf Hitler oder Ottfried Fischer bekannt wurde“, erklärt Birgit Klaassen. In Deutschland erkrankten etwa 180 von 100.000 Menschen an der Krankheit. Als ein zentrales Problem benennt sie die schwierige Diagnostik: „Die Patienten rennen oft von Arzt zu Arzt, bevor die Krankheit erkannt wird.“ Die Ursache für Parkinson ist nach Auskunft der Krankenschwester bis heute weitgehend unbekannt. Erste Symptome seien oftmals Nacken- und Rückenschmerzen sowie allgemeine Antriebslosigkeit. Typisch für Parkinson seien die immer stärkere Bewegungseinschränkung sowie das Zittern der Hände, im Fachjargon Tremor genannt. „Doch es geht in der Behandlung von Parkinson-Patienten keinesfalls nur um die Verbesserung der Motorik“, erläutert Birgit Klaassen. Vielmehr müssten auch andere Symptome wie Schlaf- oder Sprachstörungen oder dementielle Begleiterscheinungen mit berücksichtigt werden. „Die Pflege von Parkinson-Patienten ist wegen der Vielschichtigkeit sehr aufwändig“, weiß Birgit Klaassen und freut sich, durch die Ausbildung viele neue Erkenntnisse gewonnen zu haben.
Auch neue Ideen hat sie mitgebracht, die sie in Emden umsetzen möchte. Unter anderem plant sie, eine Gruppe für Angehörige von Parkinson-Patienten anzubieten. „Denn die Pflege eines betroffenen Menschen ist eine sehr schwere Aufgabe, da ist jede Unterstützung willkommen“, weiß die Spezialistin.

Mit ihren Ideen stößt sie bei dem Chefarzt der Neurologischen Klinik, Prof. Dr. Thomas Büttner, auf offene Ohren. Der Mediziner freut sich sehr über das Engagement von Birgit Klaassen und freut sich, auf dieses Spezialwissen der Krankenschwester zurückgreifen zu können. „Damit untermauern wir die Bedeutung unserer Klinik für die Parkinson-Patienten aus ganz Ostfriesland“, so Prof. Büttner. Pro Jahr werden nach seiner Auskunft ca. 200 Betroffene stationär im Klinikum behandelt.  Die Neurologische Klinik besitzt einen speziellen Schwerpunkt in der Behandlung von Patienten mit Parkinsonscher Erkrankung und anderen Erkrankungen, die mit Störungen der Motorik einhergehen. Die modernen therapeutischen Konzepte werden hier umgesetzt, wie z.B. die Gabe von speziellen Medikamenten über Pumpensysteme. Die Klinik ist auf dem neuesten internationalen Wissensstand, was die medikamentöse Therapie der Erkrankung betrifft. Die Behandlungskonzepte schließen auch verschiedene nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Bewegungs-therapie und Krankengymnastik, Ergotherapie, psychologische Betreuung und Sprachtherapie ein. Auch ist die ambulante Weiterbetreuung von Parkinson-Patienten im Klinikum Emden möglich.
Großes Lob bekommt Birgit Klaassen auch von Pflegedirektorin Martina Egen: „Ihr Einsatz ist wirklich vorbildlich. Sie stellt damit ein gutes Beispiel dafür dar, wie engagiert sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums für ihren Beruf einsetzen. Davon profitierten die Kollegen, aber vor allem die Patienten, die nach neuesten Erkenntnissen gepflegt werden können.