Videonystagmographie

Ein akutes Schwindelgefühl stellt eine häufige Beschwerde vieler Patienten dar. Die klinische und technische Untersuchung des Gleichgewichtssystems stellt damit eine wesentliche diagnostische Leistung der Neurologischen Klinik dar. Das Zusammenspiel vielfältiger visueller und vestibulärer Informationen kann dabei insbesondere mit der Videonystagmographie überprüft werden. Hierbei handelt es sich um ein Untersuchungsverfahren, das durch Nachweis eines Nystagmus gerichtete Schwindelzustände identifizieren kann.

Mit Nystagmus wird eine unkontrollierbare, rhythmisch verlaufende Bewegung des Augapfels bezeichnet. In der Regel wird hierbei eine gerichtete langsame Bewegung in eine Richtung und eine schnelle Rückholbewegung beobachtet. Der Nystagmus wird dabei nach der schnellen Komponente bezeichnet. Sofern die rein klinische Beobachtung keine sichere Identifikation erlaubt, bietet die Betrachtung der Augenbewegungen unter einer Frenzel-Brille (Leuchtbrille mit vergrößernden Plusgläsern (15 Dioptrien) eine weitere Möglichkeit. Oft werden auch nur diskrete Nystagmen hierunter doch sichtbar. Nystagmen werden unter Beachtung verschiedener Aspekte differenziert bezeichnet.

So unterscheidet man Nystagmen:

  • nach dem Zeitpunkt des Auftretens (angeborener versus erworbener Nystagmus), nach der Schlagform (Pendelnystagmus u.a.),
  • nach der Schlagrichtung (Blickrichtungsnystagmus, Downbeat-Nystagmus ... u.a.), nach der Auslösbarkeit (Spontannystagmus, Provokationsnystagmus),
  • nach der Ursache (vestibulärer Nystagmus, physiologischer Endstellnystagmus, optokinetischer Nystagmus u.a.).

Die Videonystagmographie erlaubt die genaue Aufzeichnung und Dokumentation der Nystagmen unter verschiedenen Untersuchungsbedingungen. Voraussetzung dieser Methode ist, dass der Patient über ein ausreichendes Sehvermögen verfügt und die Gehörgänge nicht durch Cerumen (Ohrenschmalz) verlegt sind. Bei der Untersuchung werden die bei Patienten ausgelösten Nystagmen mittels einer Videobrille durch verschiedene Methoden aufgezeichnet:

  • geführte Bewegungen der Augen mit offenen und geschlossenen Augen,
  • Drehbewegungen des Kopfes gegenüber dem Körper,
  • Ohrspülung mit definiert temperierter Luft (warm/kalt) über eine Minute
  • Verhalten des Nystagmus durch Einblenden eines Fixationspunktes

Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert etwa 30 Minuten. Mit den so gewonnenen Erkenntnissen zur Charakteristik des Nystagmus lassen sich in den meisten Fällen sichere Aussagen zur Schwindelursache gewinnen.