Medikamentöse Behandlung

Ein wichtiger Baustein psychiatrischer Therapie ist die psychopharmakologische Behandlung. Als Psychopharmaka werden Medikamente bezeichnet, die krankhafte Veränderungen des Erlebens und Verhaltens beeinflussen und die zur Behandlung psychischer Störungen eingesetzt werden. Je nach Wirkungsweise und den speziellen Einsatzgebieten bei verschiedenen Arten psychischer Störungen lassen sich die Psychopharmaka in verschiedene Gruppen einteilen.

Entgegen manchen in den öffentlichen Medien geäußerten Befürchtungen machen die meisten Psychopharmaka weder abhängig noch führen sie zu einer Veränderung der Persönlichkeit. Vielmehr unterstützen Psychopharmaka gesunde Persönlichkeitsanteile und bessern krankheitsbedingte Störungen des Erlebens und des Verhaltens.

Wie alle wirksamen Medikamente haben Psychopharmaka eine Reihe von Nebenwirkungen, die sich allerdings bei fachkundiger Überwachung der Therapie minimieren lassen. Medizinisch bedrohliche Nebenwirkungen sind bei regelmäßiger Überwachung der Behandlung nahezu ausgeschlossen.

Häufiger sind subjektiv störende Nebenwirkungen (z.B. Müdigkeit, Mundtrockenheit), die entweder bei weiteren Behandlungen spontan abklingen oder durch Dosiserniedrigung, Gegenmittel oder Umsetzen auf ein besser verträgliches Medikament verringert werden können. Bedenkt man, dass schwerere psychische Erkrankungen, wenn sie nicht oder ungenügend behandelt werden, nicht nur eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität, sondern auch ernsthafte Komplikationen mit sich bringen können, sind die Nebenwirkungen der Psychopharmaka eher als gering einzuschätzen.

In den letzten Jahren wurden einige neue Psychopharmaka entwickelt, die noch besser verträglich sind und die wir in unserer Klinik, wenn möglich, bevorzugen.
Für die Behandlung mit Psychopharmaka gilt in der Regel, dass sie in den meisten Fällen noch mindestens Wochen bis Monate nach dem Abklingen der akuten psychischen Störung eingenommen werden müssen. Psychopharmaka sollten nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt abgesetzt werden. Die Einnahme sollte nie plötzlich beendet, sondern langsam "ausgeschlichen" werden, um störende Absetzeffekte zu vermeiden.

Die Medikamente, die zur Rückfallverhütung eingesetzt werden, müssen über Jahre eingenommen werden. Dies erscheint zwar manchem als lästig, verglichen jedoch mit dem Risiko eines Rückfalls ist dies meist das kleinere Übel.