Zertifiziertes Hernienzentrum im Klinikum Emden

Etwa eine Milliarde Menschen auf der ganzen Welt sind im Laufe ihres Lebens von einer Hernie (Bruch oder Eingeweidebruch) betroffen. Alleine in Deutschland werden jährlich etwa 275.000 Leistenbrüche und rund 100.000 Bauchwandbrüche operiert. Die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie ist jetzt erneut als Hernienzentrum zertifiziert worden. Das von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) verliehene Zertifikat wird an Kliniken vergeben, die große fachliche Erfahrung nachweisen können, ihre Behandlungsergebnisse im Rahmen einer Qualitätssicherungsstudie offenlegen sowie weitere medizinische Qualitätskriterien erfüllen. Dazu gehört mit den beiden Leitern des Hernienzentrums, Chefarzt Dr. Hendrik Faust und Oberarzt Dr. Carsten Engelke, auch ein erfahrenes Team von Viszeralchirurgen. Das Zertifikat muss alle drei Jahre in einer Überprüfung (Audit) wieder bestätigt werden.

Ein wichtiger Bestandteil für die Zertifizierung ist dabei die Teilnahme an der Studie „Herniamed“, ein bundesweites Hernienregister, in dem alle Kliniken sämtliche relevanten Daten zu den von ihnen durchgeführten Hernien-Operationen eingeben. Die Studie vergleicht unter anderem anhand einer sehr umfangreichen Datenbasis, wie gut es Patienten geht, nachdem sie wegen eines Weichteilbruchs operiert worden sind. Die Daten werden sowohl direkt nach der Operation als auch nach ein und fünf Jahren erhoben, denn in der Hernienchirurgie kommt es auch auf die langfristigen Ergebnisse an. Vorrangiges Ziel der Studie ist es, die Qualität der eingesetzten OP-Verfahren und der operierenden Chirurgen zu messen.

Bei der jetzt erfolgten Re-Zertifizierung des Emder Hernienzentrums wurde die Qualität der Behandlung von einem erfahrenen Hernienchirurgen der DGAV überprüft. Dabei spielt sowohl die Strukturqualität als auch die Prozessqualität und natürlich auch die Ergebnisqualität eine Rolle. Vorgegeben sind zum Beispiel Komplikationsraten für Leistenbruch- (weniger als 5% Komplikationen) und Narbenbruchoperationen (weniger als 10% Komplikationen), die in Emden jeweils deutlich unterschritten wurden. Auch die Zahl der Reoperationen, d.h. der erneut erforderlichen Operationen nach einer Bruchoperation, liegt in Emden deutlich unter der geforderten Rate, freuen sich die beiden Leiter des Hernienzentrums.

Hernienoperationen sind Routineeingriffe, die sehr häufig und schon seit vielen Jahren durchgeführt werden. Aufgrund der neu entwickelten Operationstechniken (z.B. „Schlüsselloch-Chirurgie“) und der Verfügbarkeit hochmoderner Kunststoffnetze stehen eine Vielzahl von Behandlungsmethoden zur Verfügung. „Aus diesen verschiedenen Behandlungsmethoden wird für jeden Patienten individuell das optimale Operationsverfahren ausgewählt“, beschreibt Dr. Faust die Vorgehensweise. Hierfür werden spezielle Herniensprechstunden angeboten, zu denen sich die Patienten unter der Telefonnummer 04921/983300 anmelden können.

Bild: Dr. Hendrik Faust (l.), Dr. Carsten Engelke

Geschrieben am 25.11.2019